Aschwanden kritisiert Untätigkeit
Von Hansjürg Jäger, BauernZeitung, 26. April 2018.

Wenn Hans Aschwanden auftritt, dann wählt er in der Regel klare Worte. Auch an der Fromarte-Delegiertenversammlung in Bern feuerte der Fromarte-Präsident und Käser aus Seelisberg UR bei der Begrüssung eine volle Salve ab.
Gesamtschau als «interessantes Diskussionspapier»
«Ich war überrascht, wie fundiert, interessant und ausführlich dieser Bericht ist», sagte er über die bundesrätliche Gesamtschau zur mittelfristigen Weiterentwicklung der Agrarpolitik. Man finde darin eine ausführliche Analyse der aktuellen Situation. Manche der Handlungsachsen seien «sehr interessant».
Damit geht Aschwanden auf direkten Konfrontationskurs mit den bäuerlichen Verbänden und dem Schweizer Bauernverband SBV, der die Gesamtschau mit aller Kraft bekämpft. Aschwanden indes sagt: «Wir finden das Dokument ein interessantes Diskussionspapier.»
Den Vorschlag, die Agrarpolitik von der Freihandelspolitik zu trennen, hält er schlicht für nicht nachvollziehbar. Eines der wichtigsten agrarpolitischen Instrumente sei der Grenzschutz — und der habe sehr wohl etwas mit Freihandel zu tun. Wer also eine Trennung vorschlägt, «signalisiert de facto, dass er nichts ändern will.»
Trinkwasserinitiative ist gefährlicher als Freihandelsabkommen
Gleichzeitig würden die verschiedenen Initiativen zeigen, dass man sich bewegen müsse. Die Initiativen würden «erbarmungslos» darlegen, «dass wir als Branche in gewissen Bereichen vollkommen geschlafen haben.» Aschwanden kritisiert dabei vor allem die Unfähigkeit des Bauernverbandes, proaktiv auf gesellschaftliche Trends zu reagieren. Die Trinkwasserinitiative hält er für die weitaus grössere Gefahr für die Landwirtschaft als «ein paar Zugeständnisse bei einem Freihandelsabkommen.»
Arbeit an den Stärken bevorzugen
Für die Zukunft sieht Aschwanden vor allem eine Priorität: die Stärken besser nutzen und damit die Kunden von «unseren Produkten» überzeugen. «Das Vertrauen der Kunden ist unser grösstes Kapital, und das kann uns niemand wegnehmen.»
Dass die Mehrwertstrategie der Branchenorganisation Milch, die Aktivitäten der Schweizer Milchproduzenten und der verschiedenen Verarbeiter just in diese Richtung laufen, begrüsst Aschwanden grundsätzlich. Er bedauert allerdings, dass es innerhalb der BO Milch bisher nicht gelungen ist, einen national einheitlichen Standard zu etablieren.
Erschienen in der BauernZeitung, 26. April 2018.