Frei und unabhängig!?
Meine Kolumne «Persönlich» im Urner Wochenblatt vom 4. März 2026.
Wie frei sind wir wirklich? Diese Frage beschäftigt mich in letzter Zeit vermehrt. Ich war kürzlich an einer Veranstaltung des Digital Cluster Uri, wo das Thema digitale Souveränität behandelt wurde. Mir wurde – nicht zum ersten Mal – bewusst, wie unglaublich gross die Abhängigkeit von den US-amerikanischen Techkonzernen ist, den sogenannten Big Five (Microsoft, Meta, Alphabet, Amazon und Apple).
Ich schreibe diese Kolumne mit Word, einem Produkt von Microsoft. Vor kurzem noch unvorstellbar, aber heute durchaus denkbar, dass ich diese Software nicht mehr benutzen könnte und mein Mail-Account gesperrt würde, wenn ich Unvorteilhaftes über den amerikanischen Präsidenten schreiben würde.
Letzten Herbst haben wir im Landrat den Kredit für ein Update der Gerichtssoftware gesprochen. Der Anbieter dieser Software ist eine kanadische Investorengruppe. Es läuft mir schon etwas kalt den Rücken herunter, wenn ich denke, dass unsere Strafverfolgungsbehörden und Gerichte völlig von einer ausländischen Firma abhängig sind.
Oder der Fall der Migros im letzten Sommer, wo ein Softwareupdate für leere Ladenregale sorgte und sich sogar auf unsere Käserei in Seelisberg auswirkte. Selbst wir als freie Eidgenossen sind politisch nicht mehr souverän. Die Schweiz hat bereits über 4400 völkerrechtliche Vereinbarungen abgeschlossen. Laufend kommen neue dazu. Selbstverständlich sind die meisten harmlos und vereinfachen unser Leben, aber so frei und unabhängig, wie wir es glauben sind wir einfach nicht.
Auch die Landwirtschaft ist heute global. Selbst eine Alpkäserei auf einer Urner Alp kann keinen traditionellen Alpkäse ohne ausländisches Lab herstellen, denn der letzte Schweizer Labhersteller ist seit mehreren Jahrzehnten verschwunden. Eine Ernährungssouveränität, wie sie von verschiedenen Akteuren gefordert wird, ist völlig unrealistisch. Trotz des Plan Wahlen (Anbauschlacht) wurde der Selbstversorgungsgrad von Lebensmitteln im 2. Weltkrieg nur minimal gesteigert. Nicht zu denken an den ganzen Treibstoff für unsere Subarus und Co., den wir vollständig importieren müssen.
Fazit: Wenn wir nicht zurück in die Höhle wollen, dann müssen wir akzeptieren, dass wir ein Teil eines Gesamtsystems sind und nie vollkommen frei und unabhängig entscheiden können, auch wenn ich persönlich das sehr bedaure.
Erschienen im Urner Wochenblatt, 4. März 2026.