Weniger Käser, mehr Auswahl — Innovation als Schlüssel
Von Chiara Stäheli, Luzerner Zeitung, 17. März 2018.
Vor genau hundert Jahren wurde der Verband der Zentralschweizer Käsermeister gegründet — und hat seither einen massiven Mitgliederschwund erlebt. Nun sind Innovation und Flexibilität gefordert.
Drei Dinge haben dazu beigetragen, dass der Verband der Zentralschweizer Käsermeister sein hundertjähriges Bestehen feiern kann: Milch, Käsermeister und Konsumenten. «Diese Komponenten werden auch in Zukunft von Nöten sein, um den Bestand des Verbandes zu sichern», sagt Verbandspräsident Josef Werder.
In den 1950er-Jahren zählte der Verband mehr als 300 Mitglieder, heute sind es noch rund 60.
«Die Talsohle ist erreicht»
Als Präsident von Fromarte, der Dachorganisation der Schweizer Käsereien, bin ich überzeugt, dass die Talsohle erreicht ist: «Ich glaube, die Zahl der gewerblichen Käsereien in der Zentralschweiz wird sich in den nächsten Jahren auf etwa 60 einpendeln. Einige verschwinden, neue entstehen — das ist der normale Prozess.»
Angebot wird vielfältiger
Um sich als Käserei unter den aktuellen Bedingungen behaupten zu können, braucht es gemäss Werder gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter sowie Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft. Viele Käsereien produzieren nebst Traditionskäse auch weitere Sorten: Von Frischkäse über Weichkäse bis zu aromatischen Fondues — sogar Raclette mit Trüffel. «Für den Erfolg ist die Grösse des Betriebs weniger entscheidend als dessen Flexibilität und Innovationskraft», ist Josef Werder überzeugt.
Entgegen dem Rückgang der Käsereien hat sich das Konsumverhalten verändert: Rund 22 Kilogramm Käse isst ein durchschnittlicher Schweizer pro Jahr — 1980 war es noch etwa die Hälfte.
Die Folgen der Käseunion-Auflösung
Besonders einschneidend war die Auflösung der Käseunion im Mai 1999. Seitdem sind die Produzenten dem freien Markt und dem Preisdruck ausgesetzt. Alleine in der Zentralschweiz mussten 23 Emmentalerkäsereien schliessen. Gesamtschweizerisch reduzierte sich die Anzahl gewerblicher Käsereien in den vergangenen zehn Jahren von 1350 auf rund 600 Betriebe.
Nachwuchs im Fokus
Der Verband widmet sein Jubiläumsjahr der Imageförderung des Berufs des Milchtechnologen. Verbandspräsident Werder sieht seinen Beruf als Privileg: «Wir dürfen ein Genussmittel herstellen, das sowohl in der Schweiz als auch international einen ausgezeichneten Ruf hat.»
Ein Höhepunkt des Jubiläumsjahres sind die Swiss Cheese Award-Käseprämierungstage, die vom 28. bis 30. September in Luzern stattfinden.
Erschienen in der Luzerner Zeitung, 17. März 2018.