Gewerbezeitung: «Es braucht viel mehr Augenmass»
Artikel von Rolf Hug, Schweizerische Gewerbezeitung, 13. Juni 2025.
«Die Käsereien haben immer mehr Mühe, ihre Betriebe umzubauen», sagt Fromarte-Präsident Hans Aschwanden. Besonders kompliziert sind Projekte in der Landwirtschaftszone. Dass viele Betriebe dort liegen, hat historische Gründe. Ein grosses Problem ist auch der nicht unterzukriegende Amtsschimmel.
Hans Aschwanden ist Käser aus Leidenschaft. Mehrere Jahrzehnte leitete er die gleichnamige Bergkäserei im urnerischen Seelisberg. Mittlerweile hat er das familiengeführte KMU seiner Tochter Selina Aschwanden übergeben. «Es macht mich stolz, dass es weitergeht», sagt der Vater. Er hilft noch immer in der Käserei mit, und einmal in der Woche passt er auf die Enkelkinder auf.
Die Aschwandens haben nicht nur privat Glück, sondern auch mit ihrem Betrieb. Dieser liegt in der Gewerbezone — ein Umbau wäre dadurch erleichtert. Anders sieht es bei vielen anderen Käsereien aus, die in der Landwirtschaftszone liegen. Da wird ein Bauprojekt sehr schnell kompliziert, vor allem wenn eine Vergrösserung geplant ist.
Ein langwieriger Kampf
Als Präsident von Fromarte, dem Dachverband der Schweizer Käsespezialisten, erhält Hans Aschwanden immer wieder Rückmeldungen von seinen Mitgliedern, wie schwierig solche Ausbauten seien. Nötig werden sie, weil das Reifelager zu klein ist oder neue Hygienestandards mehr Platz erfordern. Vielfach sind gleichzeitig energetische Sanierungen angezeigt.
Ein besonders krasses Beispiel ist dasjenige der Käserei Girenbad in Hinwil im Zürcher Oberland. Über acht Jahre kämpften die dortigen Käser um eine Baubewilligung für einen Aus- respektive Neubau. Nach einer lokalen Zonenplanänderung kam die Kulturlandinitiative dazwischen. Im späteren Verlauf widersprachen sich drei kantonale Ämter untereinander: Hygienegründe erforderten Kunststofffenster, der Ortsbildschutz gab Holzfenster vor, und der Feuerschutz pochte auf Metallfenster. Es wieherte laut der Amtsschimmel. Irgendwann fand man sich — und mittlerweile ist der Bau seit fünf Jahren in Betrieb.
Standortgebunden oder nicht?
«Bei einem solch langwierigen Prozedere sagen sich wohl insbesondere kleinere Betriebe: ‹Das tue ich mir nicht an› und werfen den Bettel hin», mutmasst Aschwanden. Er kennt Beispiele, wo Behörden in anderen Kantonen eine Baubewilligung nicht erteilten mit dem Argument: Käse könne auch anderswo produziert werden, zum Beispiel in einem Industriegebiet.
Der Fromarte-Präsident gibt jedoch zu bedenken: «Viele kleinere Käsereien machen wohl eher zu, statt umzuziehen und an einem anderen Ort einen vollständigen Neubau zu planen.» Zumal sie gerade deshalb nahe am Grasland und bei den Kühen gebaut worden seien, damit die Milch nicht weit transportiert werden müsse. Das erhöhe die Qualität und halte die Kosten tief.
Besonders störend findet er, dass beispielsweise bei einem Neubau eines Pouletmastbetriebs die Standortgebundenheit per se anerkannt wird — obwohl dieser ebenso gut in der Industrie stehen könnte.
Teil der Kulturlandschaft
Bei den allermeisten Käsereien handelt es sich um sogenannte altrechtliche Bauten. «Sie wurden erstellt, als es noch gar keine Raum- oder Zonenplanung gab. Deshalb haben sie einen Bestandsschutz in der Landwirtschaftszone. Ausserdem sind sie Teil der Schweizer Kulturlandschaft.»
Für Hans Aschwanden ist darum klar: «Es braucht seitens Behörden viel mehr Augenmass und mehr Flexibilität.»
Erschienen in der Schweizerischen Gewerbezeitung, 13. Juni 2025.