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«Wir sind etwas vorsichtiger geworden»

Interview von Daniel Salzmann, Schweizer Bauer, 12. September 2013.

Fromarte prüft den Milchfreihandel mit der EU.


Schweizer Bauer: Anlässlich der DV im April äusserte sich Fromarte recht positiv zur Öffnung der weissen Linie. Was sind Ihre Argumente?

Hans Aschwanden: Bereits seit 2007 ist der Käsemarkt liberalisiert, mit der Verkäsungszulage als Kompensation. Wir mussten uns anpassen, uns beim No-Name-Käse auch einem hohen Importdruck stellen. Die Gleichbehandlung gegenüber der weissen Linie ist für uns immer ein Thema. Heute ist es so, dass wir in der Schweiz beim Rohstoff einen Markt haben, beim Verkauf aber im Prinzip zwei — einen geschützten und einen offenen.

Aber welche Vorteile für die Käser sehen Sie bei einem Milchfreihandel?

Wir sagten im April, dass eine sektorielle Marktöffnung mit der EU für alle Milchprodukte frühestens nach 2017 umgesetzt werden sollte. Denn damit würde höchstwahrscheinlich die Verkäsungszulage in Direktzahlungen umgewandelt, und da wollen wir natürlich, dass die Gelder zu den Milchbauern fliessen. Warum sagten wir, wir seien offen dafür? Wir haben festgestellt, dass wir uns als Käsewirtschaft mit dem Freihandel recht gut haben halten können, gerade bei den hochpreisigen Spezialitäten. Die Produktvielfalt hat zugenommen, die Wettbewerbsintensität fördert die Kreativität. Mittlerweile sind wir aber etwas vorsichtiger geworden.

Inwiefern vorsichtiger?

Bei einer sektoriellen Öffnung kämen wahrscheinlich nur die Verkaufspreise unter Druck, nicht aber die Kosten. Das wäre eine sehr schwierige Situation. Wahrscheinlich müsste man, wenn man eine Öffnung macht, diese weiter fassen, damit auch die Kosten unter Druck kommen. Das ist jetzt eine etwas revidierte Meinung des Präsidenten, noch keine offizielle Position von Fromarte. Ich selbst bin heute skeptischer als noch vor einem halben Jahr. Unsere Grundhaltung bleibt aber, dass wir Käser bereit sind, uns dem Wettbewerb zu stellen.

Aber es heisst, beim Käse sei das Differenzieren viel einfacher als bei Konsummilch, Butter, Rahm.

Genau. Das einzige Milchwirtschaftsprodukt, bei dem wir ein grosses Profilierungspotenzial haben, ist Käse, Käse und noch einmal Käse. Da haben wir eine Chance, trotz der hohen Kosten in der Schweiz auch im Ausland Erfolg zu haben. Beim Käse schreibt man uns eine grosse Kompetenz zu.

Der A-Richtpreis bleibt bei 69 Rp./kg. Die Käser waren gegen eine Erhöhung. Warum?

Wir Käser haben den Schwarzen Peter zugespielt erhalten. Wir waren aber überhaupt nicht die Einzigen, die gegen eine Erhöhung stimmten. Denn viele Käselager sind in der Tat voll. Ich weise darauf hin: Nach wie vor zahlen viele PO Milchpreise aus, die deutlich unter dem Richtpreis liegen. Wir Käsereien zahlen vielerorts die besten Milchpreise, oft sogar deutlich über dem BOM-Richtpreis.

Erschienen im Schweizer Bauer, 12. September 2013.

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