Emotional statt industriell — die Zukunft des Schweizer Käses
Von Renate Hodel, Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID, 27. November 2024.

Die Schweiz liebt ihren Käse: Jährlich konsumieren Herr und Frau Schweizer im Durchschnitt 23 Kilogramm davon. Doch obwohl der Gesamtkonsum stabil bleibt, zeigt ein genauerer Blick grosse Veränderungen bei den bevorzugten Sorten. Während traditionelle Sortenkäse wie Emmentaler und Gruyère an Bedeutung verlieren, erleben Mozzarella, Feta und andere Frischkäse einen Boom.
Das Erbe der Käseunion: Tradition und Transformation
Bis ins Jahr 1999 regelte die Käseunion streng, welche Käsesorten in welchen Mengen produziert wurden. Mit der Auflösung der Käseunion begann ein tiefgreifender Wandel: Seit dem Jahr 2000 ist der Anteil des Sortenkäses an der Schweizer Käseproduktion von 54 Prozent auf 27,5 Prozent gesunken — besonders drastisch beim Emmentaler, dessen Produktion von 45’000 Tonnen auf nur noch 13’000 Tonnen einbrach.
«Ich glaube, das Beispiel der Regulierung durch die Käseunion hat gezeigt, dass dies für eine Branche langfristig nicht gut ist — mit dieser Regulierung wird die Innovation erstickt», sagte ich anlässlich der Käsereitagung der Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP in Sempach.
Neue Trends: «Weisser Käse» und veränderte Konsumgewohnheiten
Die Vorlieben der Konsumentinnen und Konsumenten haben sich verändert: Frischkäse, Mozzarella und Feta liegen im Trend. «Der Markttrend von diesem weissen Käse hat man in den gewerblichen Käsereien ein Stück weit verpasst», räumte ich ein. Die industrielle Produktion, etwa durch Unternehmen wie Emmi, habe diese Lücke gefüllt. «Als ich in den 80er-Jahren meine Lehre machte, war Frischkäse kein Thema — das zeigt, dass wir unsere Ausbildung und Produktion besser an die Marktnachfrage anpassen müssen.»
Gleichzeitig beeinflussen gesellschaftliche Entwicklungen den Käsemarkt: Die zunehmende Internationalisierung und der Zuwachs an multikulturellen Haushalten bringt neue Käsesorten in die Regale. Auch die wachsende Zahl kleiner Haushalte verändert die Konsumform — Käse wird häufiger als Snack oder in kleinen Portionen konsumiert.
Regionalität und Emotionen: Die Zukunft für kleine Käsereien
Für viele kleinere Käsereien liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Emotionalisierung ihrer Produkte. «Wir haben einen riesigen Vorteil, dass man das Produkt viel besser emotionalisieren kann — kleine Käsereien verkaufen mit dem Käse Werte und Geschichten aus den Regionen», betonte ich. Diese Strategie zeigt Wirkung: Käsereien, die ihre Geschichten gut vermarkten, schaffen es auch in die Regale grosser Detailhändler wie Coop und Migros.
«Im Coop-Kanal sind wir weiterhin wachsend auf den Sortenkäse», bestätigte Christian Vögtlin, Einkaufsleiter Käse bei Coop — aber auch kleinere, regionale Käsereien profitieren von der gestiegenen Nachfrage nach Regionalität.
Tradition bewahren, Innovation fördern
Die Schweizer Käsebranche steht vor der Herausforderung, Tradition und Innovation zu verbinden. Frischkäse und regionale Spezialitäten bieten Wachstumschancen, die durch gezielte Zielgruppenansprache und transparente Kommunikation genutzt werden können. Jeder Kauf ist eine Möglichkeit, die Vielfalt und Qualität des Schweizer Käses zu unterstützen — und damit einen Beitrag zur Zukunft dieser stolzen Tradition zu leisten.
Erschienen beim Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID, 27. November 2024.